Mangeleinstufung bei der Hauptuntersuchung

Immer wieder bekommen wir Fragen, was eigentlich “GM”, “EM” oder “VM” auf dem HU-Bericht bedeuten. Dabei ist das System dahinter eigentlich ziemlich klar aufgebaut. In diesem Artikel erklären wir dir verständlich, was die einzelnen Einstufungen bedeuten.

Jeder Mangel wird einzeln bewertet

Bei der Hauptuntersuchung schauen wir uns dein Fahrzeug Punkt für Punkt an: Bremsen, Beleuchtung, Fahrwerk, Reifen, Abgasanlage und vieles mehr. Sollten wir in einer Baugruppe einen Mangel feststellen, wird dieser auf dem Hauptuntersuchungsbericht dokumentiert. Dabei herrscht keine Willkür. Die Mangeleinstufung nehmen wir nicht selbst vor, sondern sie ist in der HU-Richtlinie im sogenannten “Mangelbaum” definiert. Dort steht beispielsweise, dass verschlissene Bremsbeläge mit einem erheblichen Mangel zu bewerten sind. Jeder denkbare Mangel an einem Fahrzeug ist also einer eindeutigen Einstufung zugeordnet.

Die Mängel werden also einzeln bewertet und auf dem HU-Bericht dokumentiert. Am Ende gibt es ein Gesamtergebnis, welches sich üblicherweise an dem schwersten Mangel orientiert. In der Praxis gibt es zudem Fälle, wo einzelne erhebliche Mängel sich gegenseitig so negativ beeinflussen, dass das Gesamtergebnis beispielsweise “VM” lautet.

Aber was bedeuten eigentlich diese Abkürzungen?

Ohne festgestellte Mängel (OM)

Dies ist der Idealfall. Dein Fahrzeug ist in einem verkehrssicheren Zustand und entspricht den Vorgaben des Gesetzgebers. Es wurden keine Mängel festgestellt und die HU-Plakette wird sofort zugeteilt. So kannst du ohne Einschränkungen entspannt weiterfahren.

Geringer Mangel (GM)

Das ist die niedrigste Stufe. Ein klassisches Beispiel ist ein defektes Standlicht oder eine defekte Kennzeichenleuchte. Wird das Gesamtergebnis der Hauptuntersuchung mit geringen Mängeln abgeschlossen, dürfen wir als Prüfingenieure die HU-Plakette zuteilen, wenn davon auszugehen ist, dass der Fahrzeughalter die Mängel auch umgehend beseitigt. Einfach gesprochen, handelt es sich um einen Vertrauensvorschuss mit der Pflicht, dass die Mängel auch tatsächlich behoben werden.

Erheblicher Mangel (EM)

Im Gegensatz zu den geringen Mängeln führen erhebliche Mängel zwangsläufig dazu, dass die HU-Plakette nicht mehr zugeteilt werden darf. Die so eingestuften Mängel haben einen erheblichen Einfluss auf die Verkehrssicherheit oder Umweltbelastung. Ein klassisches Beispiel wären verschlissene Bereifung oder Ölverlust mit Abtropfen des Öls. Das ist der typische Fall, wenn Leute sagen: “Ich bin beim TÜV durchgefallen”. Du hast einen Monat Zeit, den Mangel zu beheben und dein Fahrzeug zur Nachuntersuchung vorzuführen. Bei der Nachuntersuchung wird dann geprüft, ob die festgestellten Mängel der Erstuntersuchung abgestellt wurden.

Gefährlicher Mangel (VM)

Diese relativ neue Kategorie hat eine sehr klare Formulierung bekommen. Es geht um Mängel, welche eine direkte und unmittelbare Verkehrsgefährdung darstellen oder die Umwelt beeinträchtigen. Das kann zum Beispiel ein undichter Bremsschlauch oder ein bis zum Gewebe abgefahrener Reifen sein. Als Fahrzeughalter wirst du auf dem Untersuchungsbericht deutlich auf die Gefahr hingewiesen. Zudem raten wir dringend von einer Weiterfahrt ab. Glücklicherweise kommen gefährliche Mängel nicht sehr häufig vor.

Verkehrsunsicher (VU)

Dies stellt die höchste Mangeleinstufung dar. Das Fahrzeug darf dann nicht mehr im öffentlichen Straßenverkehr bewegt werden. Zur äußeren Kenntlichmachung müssen wir in diesem Fall die HU-Plakette vom Kennzeichen entfernen und zeitgleich eine Meldung an die Zulassungsstelle übermitteln, dass das Fahrzeug als verkehrsunsicher eingestuft wurde. Hierbei ist im Volksmund häufig von einer “Stilllegung” die Rede. Diese Mangeleinstufung hat somit eine Betriebsuntersagung zur Folge.

Das Bild zeigt eine durchgerostete Hinterachse: Die Korrosion hat zu einem umlaufenen Riss geführt, wodurch die Radaufhängung jederzeit versagen konnte. In diesem Fall haben wir die Hauptuntersuchung mit dem Ergebnis “verkehrsunsicher” abgeschlossen.

Durchgerostete Hinterachse bei der Hauptuntersuchung in Selm

Was wir in Selm anders machen

In der Vergangenheit haben wir häufig wahrgenommen, dass Menschen mit HU-Berichten anderer Organisationen vor uns standen und gar nicht wussten, was zu tun ist. Deswegen legen wir bei der KÜS-Prüfstelle in Selm großen Wert darauf, am Fahrzeug zu zeigen, welcher Defekt genau für die Mangeleinstufung verantwortlich ist. Außerdem geben wir Hinweise, um mögliche zukünftige Probleme zu verhindern. Denn häufig kann durch frühzeitiges Eingreifen oder Pflege ein größerer Schaden verhindert werden.

Unser Tipp: Seit einiger Zeit kannst du bei uns auch die Nachprüfung bequem online buchen und bist zu deinem Termin sofort dran, ganz ohne Wartezeit.

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